Beim Guggerstein mit Blick in Richtung Madrisa
Beim Guggerstein mit Blick in Richtung Madrisa

Eine Geschichte – auf den Spuren des Wildmännli


Vor vielen Jahren lebten in den Wäldern rund um Klosters noch die Wilden Leute. Die Bauern in der Aeuja wussten, dass im Ginawald über ihren Hütten und Ställen ein besonders starkes Wildmännli wohnte. Immer wenn sich ein Rind über Nacht verletzte, so fanden es die Bauern am nächsten Tag mit einem Verband, den das Wildmännli um das verletzte Bein gebunden hatte. In einem besonders schneereichen Winter rumpelte es oben beim Gatschiefer und kurz darauf raste eine mächtige Lawine auf die Maiensässe der Aeujer Rüti zu. Alle Tannen, Ställe und Maiensässe wurden unter der Lawine begraben. Als die Aeujer am nächsten Tag durch den Schnee hinauf zum Maiensäss stapften, um zu schauen, wie gross der Schaden war, erschraken sie zutiefst. Ihre Ställe und Maiensässe waren zerstört und nichts mehr war wie zuvor. Die Aeujer waren traurig und wütend und klagten ihr Leid. Das Wildmännli hörte ihre Klagen bis in den Wald hinein und es wurde von Mitleid ergriffen. Es überlegte, wie es ihnen helfen könnte und ging durch den tiefen Schnee zu den Aeujern hinunter. «Ich will euch einen grossen Stein holen und oben auf die Wiese setzen, sodass ihr eure Hütten und Maiensässe in einer Reihe unter dem Stein wieder aufbauen könnt und keine Lawine eure Gebäude je wieder zerstören kann!» Die Bauern bedankten sich herzlich bei dem Wildmännli und gingen erleichtert hinunter ins Tal. Kaum waren sie im Dorf unten angekommen, hörten sie ein lautes Poltern und spürten, wie die Erde bebte. Nachdem das Wildmännli sein Versprechen eingelöst hatte, verschwand es für immer. Doch jeden Frühling, wenn die Bauern zu ihren neu aufgebauten Maiensässen kamen, sass der Freund des Wildmännli, der Gugger (Kuckuck) auf dem Stein und erzählte, wie es dem Wildmännli ging. Deshalb wird der Stein noch heute Guggerstein genannt.

 

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