Abendstimmung am Seetalsee
Abendstimmung am Seetalsee

Silvretta, Canard und Sardasca – Liebe und Freundschaft


Vor vielen Jahrhunderten hütete Canard, der Sohn eines reichen Bauern aus Klosters, das Vieh seines Vaters unterhalb des Silvrettagletschers. Auf der Alp unter ihm hütete Sardasca, ein junges Mädchen, ebenfalls das Vieh. Obwohl die beiden einander gut mochten, konnten sie sich eine Heirat, wie es ihre Väter wollten, nicht vorstellen. Eines Tages kam ein Mann mit seinen beiden Töchtern Vereina und Silvretta aus dem Süden. Sie wollten den Gletscher überqueren, doch Canard erklärte ihnen, dass eine Überquerung an diesem Abend zu gefährlich wäre. Er lud die drei zum Abendbrot ein und bot ihnen an, bei ihm zu übernachten. Dankbar nahmen sie das Angebot an und plauderten noch bis tief in die Nacht hinein. In der Nacht hatte Canard einen merkwürdigen Traum: Ein Adler erschien und liess ein Lamm in eine Gletscherspalte fallen. Canard hatte das Gefühl, dass etwas Schlimmes geschehen würde und wollte nicht, dass Silvretta, die ihm sehr gefiel, den Gletscher überquerte. Er überredete das Mädchen, noch eine Weile bei ihm zu bleiben. Während ihr Vater und Vereina weiterzogen, blieb Silvretta bei ihm und sie empfanden eine immer tiefere Zuneigung füreinander. Eines Tages ging Sardasca auf die Alp zu Canard. Sie verstand sich sofort gut mit Silvretta, es störte sie nicht, dass Canard Silvretta und nicht sie heiraten wollte und die drei wurden beste Freunde. Doch eines Tages erschien der Vater von Canard. Als er von den Heiratsabsichten seines Sohnes erfuhr, wurde er wütend und verbot Canard, seine geliebte Silvretta zu heiraten. Silvretta wurde immer trauriger, da Canard und sein Vater ihretwegen stritten. Canard konnte sie nur mit Mühe überreden, nicht über den Gletscher zu ihrem eigenen Vater zu gehen. Er versprach Silvretta, mit ihr am Ende des Sommers fortzugehen.

Im Herbst kam der Tag der Alpentlandung und Canard musste mit seinen Kühen hinunter nach Klosters. Auf dem Weg zurück zur Alp, ging er über den Berg Canard, der noch heute seinen Namen trägt, und schaute zurück auf sein geliebtes Klosters, das er für Silvretta verlassen würde. Als er wieder zurück auf die Alp kam, war Silvretta verschwunden. Gemeinsam mit Sardasca machte er sich auf die Suche nach ihr und sie fanden das Mädchen in der gleichen Gletscherspalte, in die der Adler aus Canards Traum das Lamm hineinfallen lassen hatte. Sardasca konnte Canard gerade noch davon abhalten, sich aus Verzweiflung in die Gletscherspalte zu stürzen.

Einige Jahre später hütete ein junges Mädchen mit dem Namen Silvretta die Kühe am Rande des Gletschers. Es war die Tochter von Canard und Sardasca, die ihr Mädchen in Erinnerung an ihre Freundin so getauft hatten.

 

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